Sichere Chemielogistik mit moderner Messtechnik

Wo große Mengen an Gefahrstoffen wie Lösungsmittel oder Kraftstoffe gelagert werden, gelten besonders hohe Anforderungen an Sicherheit, Umweltverträglichkeit und Effizienz. Ein aktuelles Alltagsbeispiel zeigt, wie diese Anforderungen mithilfe durchdachter Anlagentechnik und intelligenter Sensorik umgesetzt werden können. Im neu errichteten Chemikalientanklager des Unternehmens Scharr sorgt eine von Göhler geplante und umgesetzte Anlagenlösung für maximale Prozesssicherheit. Dabei kommen unter anderem moderne Messsysteme von VEGA zum Einsatz, die eine zuverlässige Überwachung der Tankprozesse ermöglichen, Risiken minimieren und die Einhaltung gesetzlicher Vorgaben effizient unterstützen – und das bei gleichzeitig optimierter Wirtschaftlichkeit.

Chemikalientanklager mit zwei Millionen Litern Lagerkapazität

Die neue Anlage bietet Platz für rund zwei Millionen Liter Chemikalien, verteilt auf 22 oberirdische Lagertanks, die über mehrere Etagen hinweg in einem Gebäudekomplex untergebracht sind. Die insgesamt 40 Tankkammern verfügen jeweils über ein Fassungsvermögen von 40.000 bis 100.000 Litern. Die Konstruktion musste dabei besondere Anforderungen erfüllen, etwa in Bezug auf Erdbebensicherheit und die Integration in die bestehende Betriebsstruktur.

Ein zentrales Element ist der 15.000-Liter-Mischkessel, in dem individuelle Lösemittelmischungen nach Kundenwunsch gefertigt werden können. Abgefüllt wird automatisch in unterschiedliche Gebindegrößen – vom Kleinkanister bis zum IBC-Container. Die hohe Automatisierung reduziert manuelle Eingriffe und sorgt für einen reibungslosen, sicheren Betrieb.

Optimierte Logistik im Chemikalientanklager reduziert Emissionen

Auch logistisch setzt die neue Anlage Maßstäbe. Während bislang zahlreiche innerbetriebliche Fahrten zwischen Lagerbereich und Fahrzeugwaage nötig waren, können Tankwagen jetzt direkt an zwei geeichten Bodenwaagen be- und entladen werden. Das spart Zeit, verringert den Energieverbrauch und reduziert die Emissionen auf dem Betriebsgelände erheblich.

Die Nachhaltigkeit des Standorts wird zusätzlich durch den Einsatz regenerativer Energien unterstützt. Eine Photovoltaikanlage versorgt das System mit grünem Strom, und die Nutzung von Nahwärme trägt zur CO₂-Einsparung bei.

Pumpen in einer Reihe
Pumpen in einer Reihe

Überfüllsicherung und Leckageüberwachung mit moderner Sensorik

Ein wesentlicher Bestandteil der neuen Infrastruktur ist die Messtechnik zur Überwachung aller sicherheitsrelevanten Prozesse. Eingesetzt werden rund 170 Vibrationsgrenzschalter zur Überfüllsicherung und Leckageerkennung sowie etwa 40 Radar-Füllstandmessgeräte mit 80-GHz-Technologie. Die Sensoren liefern präzise Daten, sind unempfindlich gegenüber Störungen und wurden speziell für den Einsatz in explosionsgefährdeten Bereichen entwickelt.

Die kontinuierliche Füllstandmessung gewährleistet eine gleichbleibend hohe Betriebssicherheit. Grenzschalter melden frühzeitig, wenn ein kritischer Füllstand erreicht ist, und verhindern ein Überlaufen der Tanks. Leckagesensoren detektieren auch kleinste Mengen ausgetretenen Mediums – ein wichtiger Beitrag zum Schutz von Mensch und Umwelt.

WHG-Prüfung im Chemikalientanklager zentralisiert und sicher

Besonders im Bereich der gesetzlich vorgeschriebenen Prüfungen nach dem Wasserhaushaltsgesetz (WHG) bringt das eingesetzte Messkonzept Vorteile. Statt jeden Sensor vor Ort zu testen – oft in schwer zugänglichen oder explosionsgefährdeten Bereichen –, ermöglicht ein zentrales Auswertesystem die Simulation der Prüfbedingungen direkt am Schaltschrank. Die Prüftaste am Auswertegerät löst das Sensorsignal aus, ohne dass physisch auf die Sensorik zugegriffen werden muss. Das spart nicht nur Aufwand, sondern erhöht auch die Sicherheit des Prüfpersonals erheblich.

Auch bei der Installation zeigt sich das System besonders praxisgerecht. Die Sensoren verfügen über höhenverstellbare Arretierverschraubungen und lassen sich in der Höhe variabel anpassen. Dadurch können viele Anwendungsfälle mit einer standardisierten Geräteausführung abgedeckt werden – ein Pluspunkt für die Planung und spätere Lagerhaltung.

Ein weiteres Detail: Die Empfindlichkeit der Leckagesensoren kann individuell eingestellt werden. So ist es möglich, schon bei wenigen Millimetern Flüssigkeit in der Auffangwanne Alarm auszulösen – besonders wichtig bei leichtflüchtigen oder dünnflüssigen Medien.

Radar-Füllstandmessgeräte mit 80 GHz für maximale Präzision

Die eingesetzten Radar-Füllstandmessgeräte arbeiten mit 80-GHz-Technologie und bieten eine hohe Messgenauigkeit auch bei kleinen Prozessanschlüssen. Der fokussierte Messstrahl ermöglicht präzise Ergebnisse selbst bei schwierigen Einbaubedingungen, etwa in Behältern mit Einbauten oder Rührwerken. Da das Radar freistrahlend arbeitet, kommt es nicht mit dem Medium in Kontakt – das reduziert Wartungsaufwand und schützt vor Materialangriffen.

Zukunftsfähige Chemielogistik durch vernetzte neu errichtete Chemikalientanklager zeigt beispielhaft, wie sich moderne Chemielogistik mit Nachhaltigkeit und technischer Sicherheit verbinden lässt. Durch die Kombination aus intelligenter Messtechnik, effizienter Infrastruktur und automatisierten Prozessen wurde eine Anlage geschaffen, die den Anforderungen der heutigen Zeit nicht nur gerecht wird, sondern Maßstäbe setzt – sowohl im täglichen Betrieb als auch bei Prüfaufwand, Umweltbilanz und Anlagensicherheit.